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Internationaler Frauentag

Interview mit Salomé Kora

Salomé Kora 100m 4x100m Running
8. März 2022

Die Sprinterin Salomé Kora erzählt über ihre Leidenschaft zur Leichtathletik, Gleichberechtigung im Laufsport und ihre mentale Vorbereitung auf den Wettkampf.

«Wenn alles rund läuft, ist Laufen fast wie Fliegen.»
Sprinterin Salomé Kora (27) über ihre Leidenschaft zur Leichtathletik, Gleichberechtigung im Laufsport und ihre mentale Vorbereitung auf den Wettkampf.

Als Kind warst du gar nicht so sportlich, sondern eher eine Leseratte. Wie hast du zum Laufen gefunden?

Mit 17 war mein Hobby Ausgehen und mich mit Freunden zu treffen. Mein Vater fand damals, ich müsse etwas Sport machen. Von den Sporttagen in der Schule wusste ich, dass ich schnell rennen kann – und darum ging ich zum Schnuppern in den Leichtathletikclub.

 

Was hat dich motiviert dranzubleiben?
Zum einen – ganz simpel – das Gewinnen. Zum anderen dieses Gefühl beim Laufen. Das Adrenalin im Wettkampf und das Körpergefühl, wenn man so richtig in Form ist. Es klingt vielleicht kitschig: Aber wenn alles rund läuft, dann ist Laufen fast wie Fliegen.

 

Dein Sport macht den Körper stark. Macht dich das Laufen auch psychisch stärker?

Absolut. Die mentale Vorbereitung vor dem Wettkampf und das Verarbeiten von Niederlagen, das müssen wir als Sportler lernen.

Steckbrief

Geburtstag: 8. Juni 1994
Verein:LC Brühl Leichtathletik
Trainer:Goran Obradovic
Disziplin(en): 100 m, 4x100m
Lieblings-Training: Schnelligkeitstraining
Lieblings-Wettkampf:Olympische Spiele
Zitat/Motto:If not you, then who?
Webseite:www.salome-kora.ch
Soziale Medien:Facebook und Instagram

 

«Die mentale Vorbereitung vor dem Wettkampf und das Verarbeiten von Niederlagen, das müssen wir als Sportler lernen.»
Salomé Kora Läuferin an der Lette

Wie bereitest du dich mental auf einen Wettkampf vor?

Ich meditiere und visualisiere. Ich stelle mir den ganzen Ablauf des Wettkampfes vor, bis ins kleinste Detail. Etwa wie ich in den Startblock gehe und welches Knie als erstes anziehe. Früher habe ich mir das jeweils vorgesprochen und aufgenommen. Inzwischen kann ich diesen Ablauf auch ohne Aufnahme abrufen. Oder ich stelle mir vor, ich sei eine Raubkatze. Solche Bilder helfen, die nötige Aggressivität für den entscheidenden Moment heraufzubeschwören. Das Visualisieren habe ich mir mit einer Sportpsychologin erarbeitet. Beim Meditieren lasse ich mich wie viele andere auch von der App Headspace führen.
 

Wie gehst du mit Nervosität oder Angst vor grossen Wettkämpfen um?

Angst habe ich selten. Aber ich bin u nervös. Diese Nervosität brauche ich. Aber natürlich muss man trotzdem fokussiert bleiben – und da ist eben genau dieses Visualisieren wichtig. Dass man weiss: Ich kann das, weil ich bin dieses Rennen schon zwanzigtausend Mal in meinem Kopf gelaufen.
 

Wie gehst du mit grossen Enttäuschungen um – etwa mit dem undankbaren 4. Platz an den Olympischen Spielen?

Genau in solchen Situationen ist es wichtig, dass man auf die Unterstützung einer Mentaltrainerin zählen kann. Was mir auch geholfen hat, ist die Familie, die weit weg vom Sportzirkus ist. Und dann natürlich der Fokus aufs nächste Ziel. Denn was vergangen ist, kann man nicht mehr ändern.
 

Was machst du zum Ausgleich?

Ich koche und backe sehr gerne. Backen vielleicht etwas weniger, weil irgendjemand muss das Zeugs dann essen – und das sollte nicht immer ich sein (lacht).  Auch habe ich eben mit Schachspielen begonnen. Andere Sportarten hingegen mache ich nicht. Snowboarden würde ich gerne wieder, aber das muss warten, die Verletzungsgefahr ist mir momentan zu gross.

«Beim Meditieren lasse ich mich wie viele andere auch von der App Headspace führen.»

Konntest du von deinen Erfahrungen im Sport auch während deiner Ausbildung zur Oberstufenlehrerin profitieren?

Sicher. Die positive Haltung, die man im Sport haben muss, um vorwärtszukommen, hat mir klar geholfen. Etwa, wenn es etwas eng wurde mit einem Abgabetermin. Auch musste ich viel Organisationstalent beweisen, um alles aneinander vorbeizubringen. Davon werde ich sicher auch später im Berufsleben profitieren können. 
 

Du unterrichtest auch Sport. Was macht du mit Mädchen, die Turnunterricht total doof finden?

Ehrlich gesagt, habe ich diese Erfahrung in den Praktika noch nicht gemacht.

 

Wahrscheinlich, weil du die Mädchen einfach mit deiner positiven Energie mitgerissen hast. style="color: black;">Ich hatte dankbare Themen. Sicher ist: Pubertierende Mädchen sind nicht die einfachste Klientel im Sportunterricht. Diese Herausforderung wird früher oder später kommen – und dann schaue ich, wie ich sie angehe.

 

Werden Läuferinnen und Läufer eigentlich gleichbehandelt? Oder gibt es da Unterschiede?

Da haben wir in der Leichtathletik Glück. Ich fühle mich als Frau nicht gross benachteiligt. Bezüglich der Bezahlung etwa sind die Unterschiede gering. Ein Grund dafür ist sicher, dass die Wettkämpfe gleichzeitig terminiert sind – nicht etwa wie bei der Fussball-WM, die für Männer und Frauen zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfindet.

 

«Ich fühle mich als Frau nicht gross benachteiligt.»

Läuferinnen wird kein bestimmtes Outfit vorgeschrieben. Trotzdem zeigt ihr euch im Wettkampf meist bauchfrei. Gibt es einen Grund dafür?

Mein Ausrüster PUMA würde mir auch einen Body für den Wettkampf zur Verfügung stellen. Aber ich kann mir den Start so gar nicht vorstellen. Ich brauche das klassische Wettkampftenü zur mentalen Unterstützung: Die knappen Shorts und das bauchfreie Top bringen mich in den Wettkampfmodus.


Wie wichtig ist dir der Austausch mit deinem Ausrüster PUMA?

 

Sehr wichtig. Als PUMA den neuen Wettkampfschuh Speed Tokyo Nitro entwickelt hat, wurden mir verschiedene Modelle zum Testen angeboten. Es ist PUMA wirklich wichtig, dass wir uns mit einem Schuh wohlfühlen – und es war toll, Teil dieses Entwicklungsprozesses zu sein.


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